Sehr verehrte Damen und Herren,

fast könnte man meinen, dass im Zeitalter der Performance durch Big-Data und Co. kein Auge mehr trocken & kein Wunsch mehr offen bleibt. Digitalisiertes Marketing wird zum Universal-Werkzeug, um Werbebotschaften im Rahmen der Corporate-Communication ohne Streuverluste an die Targetaudience auszuliefern. Mesdames & Messieures. Wenn das mal nicht der heilige Gral in R(h)einkultur ist. Um bei Metaphern zu bleiben – dies ist nur eine Seite der Medallie. Also in gewisser Weise ein zweischneidiges Schwert.

Hohe Erwartungen.

Vielleicht haben Sie auch schon einmal von Online-Agenturen gehört, die Ihnen einen um bis zu 40-fach höheren Absatz bei äußerst geringem Kapitaleinsatz versprechen. Individuell dynamische Attributionsmodelle und Cross-Device Tracking zwecks Awareness- und Salesoptimierung um bis zu 450%. Umsatzsteigerung bei 63%-iger Senkung der Kosten – Digitale Leadgenerierung im ganzheitlich betrachteten Kontext eines innerhalb der Business-Infrastruktur implementierten CRM-Systems auf Basis des conversionoptimierten Costumer-Funnels.
Unter Umständen haben Sie das so, oder so ähnlich schon einmal wahrnehmen dürfen.  – Phrasendrescherei par Excellence, jedoch durchaus unterhaltsam.

Fragwürdige Relevanz.

Klar, Sie werfen einen Euro in den einarmigen Banditen, ziehen am Hebel und bekommen tausend raus. Das kann durchaus vorkommen – über die Wahrscheinlichkeit müssen wir jedoch an dieser Stelle nicht sprechen, das können Sie sich selbst ausrechnen.
Vielmehr sollten wir uns darüber Gedanken machen, wer hinter solchen Versprechen, Prophezeiungen & Mechanismen steckt.
In einer auf fast allen Ebenen digitalisierten Gesellschaft wächst merklich der Druck bei Werbetreibenden, Marketingexperten und solchen, die sich dafür halten. Also versucht der eine den anderen durch noch fantastischere Dienstleistungen & Anglizismen auszubooten. Das Problem ist: Dieses Gebaren führt zunehmend am Thema vorbei. Vielleicht können einige Agenturen somit Mitbewerbern kurzfristig Kunden vor der Nase wegschnappen.

Aber zu welchem Preis?

Das Ding kommt in absehbarer Zeit zurück wie ein Boomerang (das wusste bereits Blümchen in den frühen 90igern) – garantiert. Und Unternehmen kontern gerechtfertigt: „Komisch, Sie konnten unseren Absatz nicht um das 40-fache steigern. Das war doch der Deal.“  Also wird der nächste Kandidat aktiviert (bei kaum geringeren Versprechungen & Vertragskonditionen). Der Schnellball gerät ins Rollen – und das ging schon einige Male nach hinten los. Ich denke Sie sehen selbst, wo das hinführt. Das ist nicht nur für ausführende Agenturen, sondern auch für Sie als Unternehmen lang-und mittelfristig irrelevant & unlukrativ.

Die sich selbst offenbarende Prophezeiung.

Digitale Vermarktung basiert auf Algorithmen – oftmals auf Basis ausgeklügelter Algorithmen. Wir sollten jedoch niemals vergessen, dass diese glorifizierten mathematischen Abbildungsvorschriften durch Menschenhand geschaffen wurden. Also durchaus fehlerbehaftet sind. So lassen sich Tendenzen ableiten, in gewisser Hinsicht das Nutzerverhalten nachvollziehen und durchaus Umsatzsteigerungen beweisen. Verlieren Sie jedoch niemals das Ziel aus den Augen. Denn: Eine digitale Marketingmaßnahme soll sich nicht selbst vermarkten, sondern Ihr Unternehmen voran bringen. Sie dient lediglich als Werkzeug, um Ihnen Ihr Ziel näher zu bringen. Alles andere ist auf weite Sicht für beide Parteien äußerst hinderlich.

Am Ziel vorbei.

Es geht so oft am Ziel vorbei. Und Sie fragen sich, warum Ihr Unternehmen trotz guter Bouncerates & Klickraten  immer noch nicht Marktführer ist und expandiert? Hier kommt die Metaebene ins Spiel (die Art und Weise, wie Zahlen zu interpretieren sind – Perspektiven gibt es viele – relevante wenige). Das Ziel nicht aus den Augen verlieren, hinterfragen. Und das ständig.

Nicht verzagen, schotschberger fragen.

Verstehen Sie uns nicht falsch. Wir sind für digitale Maßnahmen, keine Frage. Wir stehen für digitale Maßnahmen. Jedoch plädieren wir dafür, dass diese auch hinterfragt und sinnvoll in den Marketing-Mix eingebettet werden. Ein gesundes Maß an Reflexion hat schließlich noch niemandem geschadet – oder sehen Sie das anders?